Reaktionsschnelligkeit: Bedeutung im Sporteignungstest

KI-generiertes Symbolbild: Sprinter beim ersten Schritt aus dem Start, Thema Reaktionsschnelligkeit
KI-generiertes Bild (Symbolbild). Sprinter reagiert schnell aus der Startposition

Reaktionsschnelligkeit ist die Zeitspanne zwischen einem Signal, zum Beispiel einem Startkommando, einem Pfiff oder der Aktion eines Gegners, und dem Beginn der eigenen Bewegung. Sportwissenschaftlich zählt sie zu den koordinativen Fähigkeiten, im Sporteignungstest wirkt sie sich aber direkt auf konditionelle Ergebnisse wie die Sprintzeit aus.

Was der Begriff bedeutet

Fachlich unterscheidet man zwei Formen. Bei der einfachen Reaktion gibt es genau ein bekanntes Signal und genau eine festgelegte Antwort, etwa den Sprintstart auf das Kommando „Los“. Bei der Auswahlreaktion muss zwischen mehreren möglichen Signalen unterschieden und die passende Bewegung ausgewählt werden, etwa wenn ein Gegenspieler nach links oder rechts ausweicht und die Abwehr die Richtung erst im Moment der Bewegung erkennt. Auswahlreaktionen dauern grundsätzlich länger als einfache Reaktionen, weil zuerst die richtige Antwort aus mehreren Möglichkeiten ausgewählt werden muss.

Gemessen wird die reine Reaktionszeit, also die Verzögerung bis zum ersten sichtbaren Bewegungsbeginn, nicht die anschließende Bewegungsgeschwindigkeit. Reaktionsfähigkeit gilt als eine von mehreren koordinativen Teilfähigkeiten neben Gleichgewicht, Orientierung und Differenzierung, wie es die Unterlagen zu den koordinativen Grundlagen des Deutschen Sportabzeichens des Deutschen Olympischen Sportbunds beschreiben.

Rolle im Sporteignungstest

In Sprint- und Schnelligkeitsdisziplinen beginnt die Zeitmessung mit dem Startkommando. An der RPTU Kaiserslautern-Landau gehört ein 30-Meter-Sprint zur Kondition-Testbatterie, wer auf das Kommando spät reagiert, verliert Zehntelsekunden, die direkt in die Zielzeit einfließen. Dieselbe Hochschule lässt beim Ausdaueranteil wahlweise einen Shuttle-Run mit Richtungswechseln statt des 3000-Meter-Laufs zu, jede Wende verlangt eine neue Reaktion auf die eigene Position und den Boden.

In den Sportspiel-Teilen der Prüfung zählt vor allem die Auswahlreaktion. An der Universität Münster prüft die Eignungsprüfung neben Schwimmen, Leichtathletik und Turnen auch Sportspiele wie Fußball, Basketball, Handball und Volleyball, für Grundschule und Sonderpädagogik kommt zusätzlich ein Koordinationsparcours dazu, der gezielt schnelles Erkennen und Reagieren verlangt. In Abwehrsituationen und beim Rückschlagspiel entscheidet meist nicht die reine Sprintschnelligkeit über den Punkt, sondern wie früh eine Spielerin oder ein Spieler die Aktion des Gegenübers erkennt und die passende Bewegung startet.

Auch dort, wo die Prüfung ein Auswahlspiel aus mehreren Sportspielen vorsieht, etwa an der Universität Mainz mit drei von vier Optionen aus Basketball, Fußball, Handball und Volleyball, verlangt jede Spielsituation eine eigene Auswahlreaktion: Zuspiel annehmen, Abwehrreihe lesen, Torabschluss timen. Beim reinen Sprintanteil, wie ihn auch die Universität Koblenz über 30 Meter prüft, ist dagegen nur die einfache Reaktion auf das Startkommando gefragt. Der Unterschied zwischen beiden Prüfungsformen liegt also nicht in der Schnelligkeit der Bewegung selbst, sondern darin, wie viele mögliche Antworten im Kopf vorbereitet werden müssen, bevor die Bewegung beginnt.

Training allgemein

Reaktionsschnelligkeit lässt sich mit einfachen Signalübungen gezielt trainieren: Sprintstarts aus unterschiedlichen Ausgangspositionen auf Zuruf, Pfiff oder Klatschen, Partnerübungen mit Ballwurf und wechselnden Fangsignalen, Reaktionsstaffeln mit optischen Signalen wie Handzeichen oder farbigen Hütchen. Der Trainingsplan für den Sporteignungstest kann solche Übungen einbauen, ersetzt aber keine sportärztliche Untersuchung vor der Prüfung.

Verwandte Begriffe

Schnelligkeit ist die übergeordnete konditionelle Fähigkeit. Sie umfasst neben der Reaktionsschnelligkeit auch die Aktions- und Frequenzschnelligkeit während der Bewegung selbst. Koordination bezeichnet das Zusammenspiel mehrerer Fähigkeiten wie Gleichgewicht, Orientierung und eben Reaktion, um eine Bewegung zielgerichtet zu steuern. Schnellkraft meint die Fähigkeit, in kurzer Zeit hohe Kraft zu entwickeln, etwa beim Absprung oder Wurf, und setzt erst nach dem Bewegungsbeginn an, während Reaktionsschnelligkeit die Zeit davor betrifft.

Welche Anforderungen einzelne Hochschulen konkret stellen, zeigt die Übersicht zu den Anforderungen im Sporteignungstest, weitere Fachbegriffe erklärt das Lexikon.

Weiterlesen