Sprungkraft: Bedeutung im Sporteignungstest

KI-generiertes Symbolbild: Athlet beim Absprung mit Sprungkraft, Thema Sprungkraft
KI-generiertes Bild (Symbolbild). Athlet beim kraftvollen Absprung auf der Bahn

Sprungkraft ist die Fähigkeit, den Körper durch eine schnelle Streckung der Beine möglichst hoch oder weit zu beschleunigen. Sportwissenschaftlich gilt sie als Teilbereich der Schnellkraft, weil sie Maximalkraft und Bewegungsgeschwindigkeit in einer einzigen Aktion verbindet.

Was der Begriff bedeutet

Schnellkraft beschreibt allgemein, wie viel Kraft die Muskulatur in möglichst kurzer Zeit entwickelt. Sprungkraft ist die Ausprägung davon, die beim Absprung wirkt: Bein- und Hüftstrecker arbeiten gegen den Boden, der Körper hebt sich vom Untergrund ab, die erreichte Höhe oder Weite hängt vom Kraftimpuls in der kurzen Absprungphase ab.

Zwei Formen kommen im Sport praktisch vor. Bei der zyklischen Sprungkraft folgen mehrere Sprünge unmittelbar aufeinander, wie beim Sprungseil oder bei Mehrfachsprüngen. Bei der azyklischen Sprungkraft steht ein einzelner Absprung im Mittelpunkt, etwa beim Weitsprung oder Hochsprung. Eng verwandt ist die Reaktivkraft: Sie beschreibt, wie effektiv die Muskulatur die Energie aus einer vorherigen Landung oder Ausholbewegung für den nächsten Sprung nutzt, im sogenannten Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus.

Gemessen wird Sprungkraft in der Trainingswissenschaft über standardisierte Testformen. Der Squat Jump startet aus der Hocke ohne Ausholbewegung und erfasst reine konzentrische Kraft, der Countermovement Jump erlaubt ein kurzes Ausfedern davor, der Drop Jump nach einem Sprung von einer Erhöhung misst die Reaktivkraft über die Bodenkontaktzeit. Für die horizontale Sprungkraft dienen der Standweitsprung und Mehrfachsprünge wie der Dreier-Hop als Feldtests, weil sie ohne Sprungkraftmessplatte auskommen. Ob und in welcher Form einzelne Hochschulen diese Testformen in ihrer Sporteignungsprüfung einsetzen, ist unterschiedlich geregelt.

Trainiert wird Sprungkraft über einfache Sprungformen wie Kniebeugensprünge, Strecksprünge aus dem Stand oder Hürdensprünge, dazu Übungen mit kurzer Bodenkontaktzeit für die Reaktivkraft. Ein allgemeiner Trainingshinweis ersetzt keine individuelle Betreuung durch Trainer oder Sportarzt, besonders bei Vorbelastungen an Knie oder Sprunggelenk.

Rolle im Sporteignungstest

Mehrere Hochschulen prüfen Sprungkraft direkt oder über verwandte Sprungdisziplinen, allerdings unter unterschiedlichen Bezeichnungen. An der Johannes Gutenberg-Universität Mainz zählt Sprungkraft als eigener Punkt zur Kondition-Teilprüfung, neben Bankdrücken, Sprint und 3000-m-Lauf. An der Universität Koblenz und an der RPTU Kaiserslautern-Landau heißt die vergleichbare Übung Sprungtest und steht dort neben 30-m-Sprint, Reck und Schwimmen auf dem Programm.

Andere Hochschulen prüfen die Sprungkraft indirekt über eine Leichtathletik-Disziplin. An der Bergischen Universität Wuppertal gehört der Weitsprung zur Leichtathletik-Teilprüfung, an der Technischen Universität Dortmund der Hochsprung, dort als eine von acht Einzeldisziplinen, von denen mindestens sieben bestanden werden müssen. Wer an einer dieser Hochschulen antritt, trainiert mit dem Sprint und dem Ausdauerlauf also nicht nur zwei, sondern faktisch drei Kraft- und Ausdauerbereiche parallel, denn Sprungkraft baut auf derselben Beinkraft auf wie der Sprint. Exakte Normwerte in Zentimetern oder Punkten liegen uns für keine dieser Sprungdisziplinen vor, weder für Sprungkraft noch für Sprungtest, Weitsprung oder Hochsprung.

Verwandte Begriffe

Schnellkraft ist der Oberbegriff, unter den Sprungkraft fällt, zusammen mit Wurf- und Schlagbewegungen. Maximalkraft ist die größte Kraft, die die Muskulatur willkürlich gegen einen Widerstand aufbringen kann, sie bildet die Basis, auf der Schnellkraft und damit auch Sprungkraft aufbaut. Reaktivkraft beschreibt die Sonderform der Schnellkraft, die bei Sprüngen mit kurzer, federnder Bodenkontaktzeit zum Tragen kommt, etwa beim Drop Jump. Eine Einordnung der drei Kraftfähigkeiten liefert auch das DOSB-Lexikon Breitensport und Gesundheit. Weitere Fachbegriffe zum Sporteignungstest sammelt das Lexikon.