Sprint 100 m im Sporteignungstest: Anforderungen je Hochschule und Training

KI-generiertes Symbolbild: Zwei Sprinter im vollen Lauf auf der Bahn, Thema Sprint 100 m
KI-generiertes Bild (Symbolbild). Zwei Sprinter im vollen Lauf auf der Bahn

Sprint gehört bei allen neun Hochschulen aus unserer Übersicht zur Sporteignungsprüfung, allerdings nicht mit einheitlicher Distanz. An der Universität Tübingen sind es 100 Meter, an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz jeweils 60 Meter, an der RPTU Kaiserslautern-Landau, der Universität Koblenz und der Universität Leipzig jeweils 30 Meter. Bochum, die TU München (BaySpET) und Rostock nennen auf ihrer Prüfungsseite keine feste Distanz für den Sprint. Konkrete Zeitvorgaben nach Geschlecht liegen für zwei Hochschulen vor: Mainz mit 7,95 Sekunden für Männer und 9,15 Sekunden für Frauen, Koblenz mit 4,35 beziehungsweise 4,95 Sekunden.

Was geprüft wird

Der Sprint testet Start-, Beschleunigungs- und Sprintschnelligkeit über kurze Distanzen, gestoppt per Handzeit oder Lichtschranke. Über 30 Meter (RPTU, Koblenz, Leipzig) zählt fast nur die Beschleunigung aus der Ruheposition, weil die Strecke vorbei ist, bevor die Höchstgeschwindigkeit erreicht wird. Über 60 und 100 Meter (Mainz, Frankfurt, Tübingen) kommt die Fähigkeit dazu, das Tempo über die zweite Streckenhälfte zu halten. An der Universität Mainz zählt ausdrücklich nur ein Versuch je Person, gestartet wird ohne Startblock. Der Sprint ist eine von mehreren Disziplinen des Sporteignungstests und steht meist im selben Prüfungsblock wie Sprung- und Wurfdisziplinen, häufig vor dem Ausdauerlauf, solange die Beine noch frisch sind.

Anforderungen im Vergleich

Die Tabelle zeigt zuerst die Werte aus unserer Hochschulübersicht, ergänzt um die offiziellen Prüfungsseiten von Mainz, Koblenz, Bochum und BaySpET.

Hochschule Distanz Zeitvorgabe
Ruhr-Universität Bochum keine Angabe* keine Angabe*
Johannes Gutenberg-Universität Mainz 60 m, ohne Startblock, ein Versuch Frauen 9,15 s, Männer 7,95 s
RPTU Kaiserslautern-Landau 30 m keine Angabe*
Universität Koblenz 30 m Frauen 4,95 s, Männer 4,35 s
Goethe-Universität Frankfurt am Main 60 m, Teil des Blocks Laufen/Springen/Werfen keine Angabe*
Universität Tübingen 100 m keine Angabe*
TU München (BaySpET, Bayern) keine Angabe* keine Angabe*
Universität Leipzig 30 m, Teil eines zehnteiligen Mehrkampfs keine Angabe*
Universität Rostock keine Angabe* keine Angabe*

\* haben wir zum Stand August 2026 nicht gefunden.

Rechnerisch verlangt die Mainzer Vorgabe für Männer eine Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 7,55 Metern pro Sekunde über die volle Distanz, bei Frauen mit 9,15 Sekunden sind es rund 6,56 Meter pro Sekunde. In Koblenz bedeuten 4,35 Sekunden über 30 Meter bei Männern rechnerisch 6,90 Meter pro Sekunde, bei Frauen mit 4,95 Sekunden 6,06 Meter pro Sekunde. Ein Sprint über die doppelte Distanz braucht in Mainz also weniger als die doppelte Zeit gegenüber Koblenz, weil die Startphase anteilig mehr Zeit kostet als der eingelaufene Streckenabschnitt danach.

Ein bestandener Sprinttest zählt nicht automatisch an jeder anderen Hochschule. Koblenz erkennt Tests aller deutschen Universitäten an, wenn sie nicht älter als zwei Jahre sind. Mainz akzeptiert Tests aus Koblenz und der RPTU Kaiserslautern-Landau unter Bedingungen, die RPTU umgekehrt Tests aus Mainz und Koblenz auf Antrag. Leipzig führt die längste Anerkennungsliste unserer Übersicht mit rund einem Dutzend Hochschulen, darunter auch Rostock und Bochum.

Technik: worauf die Prüfer achten

Start: In Mainz ist der Hochstart ohne Startblock ausdrücklich vorgeschrieben. Bei den 30-Meter-Distanzen in Koblenz und an der RPTU entscheiden die ersten Schritte fast allein über die Zeit, weil danach kaum noch Strecke bleibt, um einen schlechten Start aufzuholen.

Beschleunigung: Über 60 und 100 Meter (Mainz, Frankfurt, Tübingen) zählt zusätzlich, das Tempo über die zweite Streckenhälfte zu halten, statt schon nach 40 Metern abzufallen.

Frequenz und Haltung: Geachtet wird auf einen aufrechten Oberkörper ab der Beschleunigungsphase, aktiven Armeinsatz und eine gleichmäßige Schrittfrequenz statt überlanger, stampfender Schritte.

Zieleinlauf: Wer vor der Linie abbremst oder den Kopf zur Seite dreht, verliert Zeit, die bei einer Vorgabe wie 4,35 Sekunden in Koblenz über Bestehen oder Defizit entscheidet.

Training: Aufbau über 8 bis 12 Wochen

Wochen 1 bis 3, Grundlagen: Lauf-ABC (Kniehebe-, Anfersen-, Skippingläufe), Rumpf- und Hüftstabilität, allgemeine Sprungkraft.

Wochen 4 bis 7, Beschleunigung: Tempoläufe über 10 bis 30 Meter aus dem Hochstart, Steigerungsläufe, Starts auf akustisches Signal, mit vollständiger Pause zwischen den Wiederholungen.

Wochen 8 bis 10, Zieldistanz: Zeitläufe genau über die Distanz der eigenen Hochschule (30, 60 oder 100 Meter), 3 bis 5 Wiederholungen je Einheit mit voller Erholung, dazu Reaktionsstarts aus wechselnden Positionen.

Wochen 11 bis 12, Reduktion: Der Umfang sinkt, die Intensität bleibt, damit der Körper am Prüfungstag frisch ist statt müde von der letzten Trainingswoche.

Einen ausführlichen Trainingsplan für den Sporteignungstest über 12 Wochen mit Wochenstruktur für alle Disziplinen gibt es separat. Dieser Aufbau ist eine allgemeine Orientierung, kein individueller Trainingsplan, und ersetzt nicht die sportärztliche Untersuchung, die vor der Prüfung ohnehin Pflicht ist.

Typische Fehler am Prüfungstag

Zu hohes Anfangstempo ohne Aufwärmen: Kalte Muskulatur kostet bei den ersten Schritten mehr Zeit, als sie durch Tempo gewinnt, besonders bei den knappen 30-Meter-Vorgaben in Koblenz und an der RPTU.

Ungünstige Reihenfolge: Wo der Ablauf Wahlspielraum lässt, lohnt es sich, den Sprint nicht direkt nach dem Ausdauerlauf einzuplanen, weil die Beine dann nicht mehr die volle Beschleunigung liefern. Der Ablauf des Prüfungstags zeigt, wo solcher Spielraum besteht.

Ausrüstung: Spikes sind auf den meisten Prüfungsbahnen nicht zugelassen, normale Laufschuhe mit gutem Grip reichen. Neue, ungetragene Schuhe am Prüfungstag erhöhen das Risiko für Blasen oder einen wackligen Start.

Fehlende Einlaufphase: Ohne Steigerungsläufe direkt vor dem eigenen Versuch fehlt die Bewegungsvorbereitung, die bei nur einem zulässigen Versuch, wie ihn Mainz vorschreibt, über das Ergebnis entscheidet.

Verwandte Begriffe

Sprint 30 m: die kurze Sprintform, wie sie Koblenz, die RPTU Kaiserslautern-Landau und Leipzig prüfen, testet vor allem die reine Startbeschleunigung ohne Zieleinlaufphase.

Pendellauf (Shuttle Run): wiederholte Sprints über kurze Strecke mit Richtungswechsel, misst zusätzlich zur Schnelligkeit die Wendigkeit.

Schnellkraft: die Fähigkeit, in kurzer Zeit möglichst viel Kraft zu entwickeln, Grundlage für den explosiven Start und die ersten Beschleunigungsschritte.

Cooper-Test: zwölfminütiger Ausdauerlauftest, an anderer Stelle im Sporteignungstest relevant, aber kein Bestandteil der Sprintdisziplin.

Ausschlusszeit: die Zeitgrenze, ab der eine Einzelleistung als nicht bestanden zählt, unabhängig von der Gesamtpunktzahl, wie sie Koblenz mit dem Defizit-System verknüpft.

Richtwert: die Orientierungsgröße einer Hochschule für eine Disziplin, die nicht in jedem Fall eine harte Bestehensgrenze ist.

Häufige Fragen

Welche Distanz wird beim Sprint im Sporteignungstest verlangt?

Das hängt von der Hochschule ab. Tübingen prüft 100 Meter, Frankfurt und Mainz 60 Meter, Koblenz, die RPTU Kaiserslautern-Landau und Leipzig 30 Meter. Bochum, die TU München (BaySpET) und Rostock nennen auf ihrer Prüfungsseite keine feste Distanz.

Wie viele Versuche habe ich beim Sprint?

Für Mainz ist ausdrücklich nur ein Versuch vorgesehen. Für die anderen Hochschulen aus unserer Übersicht liegt uns keine Angabe zur Versuchszahl vor, eine Nachfrage beim jeweiligen Prüfungsamt vor dem Termin ist der sichere Weg.

Was passiert, wenn ich die Sprintzeit nicht schaffe?

Das kommt auf die Hochschule an. In Koblenz zählt eine verpasste Zeit als Defizit, und mehr als ein Defizit über alle Disziplinen führt zum Nichtbestehen. Bei anderen Hochschulen aus unserer Übersicht liegt uns keine vergleichbare Regel vor.

Zählt ein bestandener Sprinttest an einer anderen Hochschule?

Teilweise. Koblenz erkennt Tests aller deutschen Universitäten an, die nicht älter als zwei Jahre sind. Mainz und die RPTU Kaiserslautern-Landau erkennen sich unter Bedingungen gegenseitig an, Leipzig führt die längste Anerkennungsliste unserer Übersicht. Vor einem Ortswechsel lohnt sich ein Blick in die Anerkennungsregeln der Zielhochschule.

Wie melde ich mich für den Sporteignungstest an?

Fristen und Unterlagen unterscheiden sich je Hochschule. Ablauf, Portale und Fristen stehen in Sporteignungstest Anmeldung: Fristen, Unterlagen, Portale.

Muss ich vor dem Sprint eine sportärztliche Untersuchung vorlegen?

Die sportärztliche Untersuchung ist unabhängig von der Sprintdisziplin ohnehin Pflicht vor der Prüfung. Bei Vorerkrankungen, Verletzungen oder Schwangerschaft entscheidet der Sportarzt zusammen mit dem Prüfungsamt über die Teilnahme.