
Das Rad ist ein Element des Bodenturnens: ein seitliches Überschlagen über die gestreckten Arme, bei dem der Körper eine volle Drehung um die eigene Längsachse macht und über eine kurze Handstandphase hinweg von einem Seitstand in den nächsten kippt. In der Turnsprache heißt die Bewegung auch Radschlag, gestreckte Beine und eine gerade Handlinie unterscheiden sie vom technisch einfacheren Handstandüberschlag mit Beinschere.
Rolle im Sporteignungstest
Boden ist an vier der neun Hochschulen in unserer Hochschulübersicht ausdrücklich als eigenes Turngerät genannt: an der Ruhr-Universität Bochum (Sprung, Boden, Reck), der Bergischen Universität Wuppertal (Boden, Reck), der Technischen Universität Dortmund (Boden, Reck, Pferd) und der Universität Duisburg-Essen (Bodenturnen). Die Deutsche Sporthochschule Köln und die Universität Münster führen in ihren veröffentlichten Anforderungen nur allgemein „Turnen“ ohne Angabe einzelner Geräte. An der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, der Universität Koblenz und der RPTU Kaiserslautern-Landau prüft der Turnteil ausschließlich am Reck, Boden steht dort nicht auf der Liste.
Ob das Rad an einer dieser Hochschulen ausdrücklich als Einzelelement der Bodenübung verlangt wird, nennt keine der genannten Prüfungsseiten namentlich (Stand August 2026). In der Schul- und Vereinspraxis zählt das Rad trotzdem zu den ersten Elementen, die im Bodenturnen stehen, weil es Grundlage für komplexere Verbindungen wie den Rondat ist. Wer sich auf einen Boden-Teil vorbereitet, übt es deshalb meist unabhängig davon, ob die eigene Hochschule es namentlich listet. Einen Überblick, welche Disziplinen und Einzelelemente die jeweilige Hochschule verlangt, gibt die Seite zu den Anforderungen im Sporteignungstest, Übungsaufbau und Umgang mit Turn-Angst allgemein der Ratgeber Turnen im Sporteignungstest.
Technik und typische Fehler
Der Ablauf gliedert sich in drei Phasen. Ausgangsposition: Seitstand mit Blick zur Bewegungsrichtung, ein Arm zeigt nach vorne oben, der Ausfallschritt geht in die spätere Bewegungslinie. Stützphase: Der erste Arm setzt auf der Linie auf, der zweite folgt versetzt daneben, nicht parallel, während die Beine im Grätschwinkel über die Senkrechte schwingen. Landephase: Ein Bein setzt zuerst wieder auf, das zweite folgt, der Körper steht am Ende im Seitstand zur Ausgangsrichtung, Blick und Arme wieder offen.
Die häufigsten Fehler betreffen die Körperlinie: Setzen beide Hände nebeneinander statt versetzt auf einer Linie auf, verschiebt sich die Drehachse und die Bewegung kippt seitlich weg statt sauber durchzudrehen. Bleiben die Beine beim Durchschwingen gebeugt, fehlt die Rotationsgeschwindigkeit für den Übergang in den Seitstand. Kommt die Hüfte nicht über die Schultern, weil der Ausfallschritt zu kurz oder die Armstreckung zu spät einsetzt, bricht die Bewegung in der Stützphase ab und endet im Absitzen statt im Stand. Ein zu später Blickwechsel zur neuen Bewegungsrichtung erschwert zusätzlich die Landung im Gleichgewicht.
Übungsreihe
Der Aufbau läuft in der Regel über vier Schritte. Zuerst Körperspannung und Handstelze an der Wand, um das Gefühl für die gestreckte Linie von den Fingerspitzen bis zu den Zehen zu festigen. Danach das Rad mit Hilfestellung, eine zweite Person stützt Hüfte oder Schulter während der Stützphase. Anschließend das Rad auf einer Turnmattenlinie ohne Hilfestellung, um die versetzte Handstellung selbst zu kontrollieren. Zuletzt das Rad mit Anlauf aus dem Ausfallschritt, wie es in einer vollständigen Bodenkür vorkommt. Weitere Übungen zum Boden-Teil, auch für andere Elemente, stehen im Ratgeber zum Turnen im Sporteignungstest.
Verwandte Begriffe
Handstand: der Stütz auf beiden Händen bei gestrecktem Körper, im Rad nur eine kurze Durchgangsposition statt einer gehaltenen Haltung.
Rolle vorwärts: Bewegung über den Rücken nach vorn, anders als das Rad ohne seitliche Drehachse und ohne Durchgang durch den Stütz auf den Händen.
Rondat: seitliches Überschlagen wie das Rad, endet aber mit beidbeinigem Absprung rückwärts statt im Seitstand, häufig als Einleitung zu weiteren Elementen einer Bodenkür genutzt.
Hintergründe zu Koordination und Kraftaufbau für Gerätturnübungen wie das Rad liefert der Leitfaden für Turn-Aufgaben des Deutschen Sportabzeichens (DOSB). Weitere Fachbegriffe rund um den Sporteignungstest erklärt das Lexikon.