Wiener Koordinationsparcours: Bedeutung im Sporteignungstest

KI-generiertes Symbolbild: Athlet im Koordinationsparcours in der Halle, Thema Wiener Koordinationsparcours
KI-generiertes Bild (Symbolbild). Athlet springt über ein Hindernis im Koordinationsparcours

Der Wiener Koordinationsparcours ist ein standardisierter Hindernisparcours aus acht Teilaufgaben, der die Bewegungskoordination per Zeitmessung objektiv erfasst. Entwickelt hat ihn der Sportwissenschaftler Siegbert A. Warwitz 1964/65 an der Universität Wien, benannt nach Entstehungsort, Testinhalt und Testkonstruktion.

Was der Begriff bedeutet

Der Parcours besteht aus acht Stationen, die ohne Pause nacheinander durchlaufen werden: Rollen vorwärts und rückwärts, eine 360-Grad-Drehung, eine Balancieraufgabe, ein Achterlauf, Slalomrollen mit einem Medizinball, eine Kreuzsprungkombination, Karreehüpfen und ein Hindernisklettern über einen Stufenbarren. Gemessen wird in ganzen Sekunden, ein akustisches Signal markiert den Absprung vom Barren als Zielpunkt. Von zwei Durchgängen zählt der bessere, Fehler musst du sofort korrigieren, was Zeit kostet.

Normiert wurde der Test zunächst für 17 bis 21 Jahre alte Gymnasiasten in Wien. Spätere Arbeiten erweiterten die Normtafeln zwischen 1975 und 1981 auf 11-Jährige und auf die eigene Gruppe der Sportstudierenden. Das Ergebnis landet je nach Alter und Geschlecht auf einer fünfstufigen Bewertungsskala.

Station Bewegungsaufgabe
1 Rollen vorwärts und rückwärts
2 360-Grad-Drehung
3 Balancieren
4 Achterlauf
5 Slalomrollen mit Medizinball
6 Kreuzsprungkombination
7 Karreehüpfen
8 Hindernisklettern über Stufenbarren

Rolle im Sporteignungstest

Die Sporteignungsprüfung der Universität Bern setzt den Wiener Koordinationsparcours im sportmotorischen Teil ihrer Zulassungsprüfung ein, kombiniert mit dem Berner Ballparcours, einem 2000-Meter-Lauf, 100 Metern Schwimmen und einem kognitiven Teil, insgesamt rund 90 Minuten. Details zum Ablauf liefert die Prüfungsseite der Universität Bern.

Andere Hochschulen aus unserer Hochschulübersicht prüfen Koordination mit eigenen Verfahren, nicht mit dem Wiener Koordinationsparcours selbst. Die Sporteignungsprüfung der Universität Münster verlangt für Lehramt Grundschule und Sonderpädagogik einen eigenen Koordinationsparcours zusätzlich zu Schwimmen, Sportspielen, Leichtathletik und Turnen. Bei der Sporteignungsprüfung der Leibniz Universität Hannover ist Koordination einer von mehreren Präsenzpunkten, dort müssen 7 von 8 Turn-Einzelleistungen bestanden werden. Die Sporteignungsprüfung der Universität Vechta prüft Koordination über Bodenturnen und Seilspringen. An der Sporteignungsprüfung der Universität Rostock ist Koordination eine von zehn Disziplinen nach einer eigenen Wertungstabelle. Die Sporteignungsprüfung der Universität Leipzig zerlegt Koordination sogar in zwei Teilnoten, Gesamtkoordination und Schlagkoordination, als zwei von zehn Teilen ihres Mehrkampfs.

Einen Überblick über alle Hochschulen mit Koordinationsaufgaben zeigt die Übersicht zum Koordinationsparcours im Sporteignungstest.

Zahlen und Normwerte

Die Normierung des Wiener Koordinationsparcours stützt sich auf zwei größere Erhebungen: 774 Schüler aus 43 Klassen in 18 Städten und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen sowie, zehn Jahre später wiederholt, 2778 Teilnehmende in Baden-Württemberg, beide Ergebnisse auf dem Signifikanzniveau p = 1 Prozent bestätigt. Zwischen 1975 und 1981 kamen eigene Normtafeln für 11-Jährige und für Sportstudierende hinzu.

Eigene Zeit- oder Punktvorgaben speziell für den Wiener Koordinationsparcours bei der Zulassungsprüfung in Bern liegen uns nicht vor. Unsere Hochschulübersicht führt ihn dort nur als einen von vier sportmotorischen Blöcken neben Berner Ballparcours, Lauf und Schwimmen.

Verwandte Begriffe

Der Wiener Koordinationsparcours steht neben weiteren Fachbegriffen im Lexikon zum Sporteignungstest. Diese drei hängen am engsten mit ihm zusammen:

Koordinative Fähigkeiten bezeichnet in der Sportwissenschaft die Fähigkeit, Bewegungen zu steuern, anzupassen und zu kombinieren, etwa Gleichgewicht, Reaktionsschnelligkeit und Rhythmusgefühl. Der Wiener Koordinationsparcours ist ein Messverfahren dafür, kein Synonym.

Berner Ballparcours ist die zweite koordinative Teilprüfung an der Universität Bern. Er testet gezielt die Ballfertigkeit, während der Wiener Koordinationsparcours die Ganzkörperkoordination ohne Ball erfasst.

Hindernislauf meint allgemein einen Lauf mit Hindernissen als Zeit- oder Kraftaufgabe, etwa in der Leichtathletik. Der Wiener Koordinationsparcours ist enger gefasst: Er misst gezielt Koordination, nicht in erster Linie Ausdauer oder Kraft, auch wenn beide Formate äußerlich ähnlich aussehen.