
Ein Bewegungswissenschaft Studium ist an einigen Hochschulen ein eigenständiger Bachelorstudiengang, an anderen eine Ausrichtung innerhalb der Sportwissenschaft. Im Zentrum stehen Biomechanik, Motorik, Bewegungslernen und Trainingswissenschaft. Ob am Studienbeginn eine Eignungsprüfung steht, entscheidet allein die Hochschule: Die Universität Hamburg hat ihren Test 2023 ausgesetzt und ersetzt ihn ab dem Wintersemester 2026/27 durch das Deutsche Sportabzeichen Silber, die Universität Wien dagegen verlangt zweimal jährlich eine praktische Aufnahmeprüfung für 50 Euro je Antritt.
Bewegungswissenschaft Studium: Inhalte und Studienformen
Die vier Kernbereiche eines Bewegungswissenschaft Studiums sind an den meisten Hochschulen gleich: Biomechanik (Kräfte und Bewegungsabläufe messen), Motorik (Steuerung und Entwicklung von Bewegung), Bewegungslernen (wie neue Bewegungsmuster entstehen und trainiert werden) und Trainingswissenschaft (Belastung, Regeneration, Leistungsdiagnostik). Was in der Lexikon-Definition von Bewegungswissenschaft als eigenes Fach beschrieben ist, läuft an vielen Universitäten unter dem Dach der Sportwissenschaft mit, als Vertiefung oder Wahlpflichtbereich neben Sportpädagogik, Sportsoziologie und Sportmedizin.
Ob ein Studiengang eigenständig heißt oder als Schwerpunkt geführt wird, hat Folgen für die Zulassung. Ein eigenständiger Bachelor wie in Hamburg oder Wien hat eigene Zulassungsregeln. Läuft Bewegungswissenschaft als Ausrichtung innerhalb der Sportwissenschaft, wie an der Universität Stuttgart, gilt meist das Zulassungsverfahren des übergeordneten Studiengangs.
Im Studienalltag kommen zu den vier Kernbereichen meist Statistik und Forschungsmethoden hinzu, dazu Praxis- und Laboranteile mit Bewegungsanalyse (etwa Kraftmessplatten, Videoanalyse, Elektromyografie) sowie ein eigenes Forschungsprojekt am Ende des Bachelors. Ein Bachelorstudium der Bewegungswissenschaft dauert an den meisten Hochschulen sechs bis acht Semester, ein anschließendes Masterstudium in der Regel vier Semester.
Hochschulen mit und ohne Eignungstest im Überblick
Stand August 2026 zeigt sich beim Eignungstest ein uneinheitliches Bild. Die folgende Übersicht führt sechs Hochschulen mit einem Bewegungswissenschaft Studium oder einer entsprechenden Ausrichtung auf, mit Werten aus ihren jeweiligen Prüfungsseiten.
| Hochschule | Studiengang | Eignungstest | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Universität Hamburg | Bewegungswissenschaft (B.A.) | Ausgesetzt seit 2023, ab WiSe 2026/27 Ersatzverfahren | Deutsches Sportabzeichen Silber statt Prüfung |
| KIT Karlsruhe | Bewegung und Ernährung (B.A.) | Nein laut Fach-FAQ | Sporteingangsprüfung gilt am KIT nur für Lehramt Sport |
| Universität Stuttgart | Bewegungswissenschaft (Ausrichtung Sportwissenschaft) | Nein, Zulassung über NC | Nur Lehramt und Technikpädagogik sind SEP-pflichtig |
| Universität Wien | Sport- und Bewegungswissenschaft (B.A.) | Ja, 2x jährlich | 50 Euro je Antritt, mindestens 4 von 5 Bewegungsbereichen bestehen |
| Universität Graz | Sport- und Bewegungswissenschaften (B.A./M.A.) | Ja, ein Termin vor dem Wintersemester | Motorische Ergänzungsprüfung plus ärztliches Attest, gute Sportmatura kann die Prüfung ersetzen |
| Universität Salzburg | Sport- und Bewegungswissenschaft (B.A.) | Ja, 3 Termine im Jahr | Keine Prüfungsgebühr, Vorbereitungskurs kostet rund 35 Euro |
An der Universität Hamburg reicht seit der Aussetzung 2023 zunächst kein Test, die offizielle Mitteilung der Uni Hamburg nennt als Ersatz ab dem Wintersemester 2026/27 das Deutsche Sportabzeichen Silber, dazu ein ärztliches Attest und einen Nachweis über neun Stunden Erste-Hilfe-Ausbildung. Für das Lehramt Sport gab es an dieser Hochschule laut derselben Quelle ohnehin nie einen eigenen Test, betroffen ist vor allem der Bachelor Bewegungswissenschaft.
Am KIT Karlsruhe ist der Studiengang Bewegung und Ernährung laut Fach-FAQ nicht von der Sporteingangsprüfung betroffen, die Quellenlage zu den genau betroffenen Studiengängen ist beim KIT allerdings nicht einheitlich.
An der Universität Stuttgart läuft die Ausrichtung Bewegungswissenschaft innerhalb der Sportwissenschaft über ein NC-Verfahren, nicht über die Sporteingangsprüfung, die dort nur für Lehramt Sport, Wirtschaftspädagogik mit Zweitfach Sport und Technikpädagogik mit Wahlpflichtfach Sport gilt.
Bewegungswissenschaft Studium in Österreich
Ein Bewegungswissenschaft Studium in Österreich läuft meist unter dem Namen Sport- und Bewegungswissenschaft und ist an allen drei hier erfassten Universitäten mit einer Aufnahmeprüfung verbunden. Bei der Sporteignungsprüfung der Universität Wien kostet jeder Antritt 50 Euro, die Bewerbungsfrist für das Wintersemester 2026/27 läuft vom 2. März bis 4. Mai 2026. Die Universität Graz verlangt eine motorische Ergänzungsprüfung mit Attest, erkennt aber eine gute Sportmatura sowie bestandene Prüfungen aus Klagenfurt, Wien, Innsbruck oder Salzburg an. Die Universität Salzburg bietet mit drei Terminen im Jahr (2026: 23. Februar, 24. Juni, 31. August) die meiste Flexibilität und verzichtet aktuell auf eine Prüfungsgebühr, nur der freiwillige Vorbereitungskurs kostet rund 35 Euro.
Zulassung: Eignungstest, NC oder beides
Für ein Bewegungswissenschaft Studium gibt es grundsätzlich zwei Zulassungswege: eine praktische Eignungsprüfung wie in Wien, Graz oder Salzburg, oder ein Numerus-clausus-Verfahren wie an der Universität Stuttgart für die Ausrichtung Bewegungswissenschaft. Beim NC-Verfahren zählen in der Regel Abiturnote und Wartesemester, bei der Eignungsprüfung entscheidet die sportmotorische Leistung am Prüfungstag, oft ergänzt um ein ärztliches Attest. Feste NC-Werte veröffentlichen die Hochschulen für diesen eng zugeschnittenen Studiengang in der Regel nicht gesondert, sie ergeben sich meist erst im laufenden Zulassungsverfahren und liegen uns für den Studiengang Bewegungswissenschaft nicht vor. Die grundsätzlichen Schritte auf dem Weg ins Sportstudium sind unabhängig vom gewählten Schwerpunkt gleich aufgebaut: Bewerbung, gegebenenfalls Eignungsprüfung oder NC-Verfahren, Einschreibung.
Berufsfelder nach dem Bewegungswissenschaft Studium
Absolventinnen und Absolventen arbeiten je nach Vertiefung in der Rehabilitation (Bewegungsanalyse in Reha-Einrichtungen und Kliniken), in der Forschung (Labore für Biomechanik und Bewegungsanalyse an Hochschulen und Forschungsinstituten), in der Sporttechnologie (Entwicklung und Testung von Sportgeräten, Wearables und Diagnostiksystemen) oder in der Prävention (Bewegungsprogramme für Betriebe, Kommunen und Vereine). Typische Arbeitgeber sind neben Hochschulen und Forschungseinrichtungen auch Krankenkassen, Reha-Kliniken, Sportverbände und Hersteller von Sportausrüstung. Ein Bewegungswissenschaft Studium ersetzt keine sportmedizinische Ausbildung. Wer in der Reha oder Prävention arbeiten will, braucht je nach Aufgabenfeld zusätzliche Qualifikationen wie eine Trainer- oder Therapieausbildung.
Abgrenzung zu Sportwissenschaft und Sporttechnologie
Sportwissenschaft ist der breitere Oberbegriff, sie deckt neben Bewegungswissenschaft auch Sportpädagogik, Sportsoziologie, Sportmedizin und Trainingswissenschaft als eigene Teilbereiche ab. Bewegungswissenschaft konzentriert sich auf die Analyse und Erklärung von Bewegung selbst, unabhängig vom pädagogischen oder gesellschaftlichen Kontext. Sporttechnologie wiederum verbindet Bewegungsanalyse mit Technik- und Produktentwicklung, etwa bei Sportgeräten, Trainingssoftware oder Sensorik, und ist eher ingenieurwissenschaftlich ausgerichtet als die grundlagenorientierte Bewegungswissenschaft.
In der Praxis überschneiden sich alle drei Bereiche häufig: Ein Forschungsprojekt zur Lauftechnik etwa nutzt bewegungswissenschaftliche Methoden, wird in einem sportwissenschaftlichen Institut betreut und kann am Ende in ein sporttechnologisches Produkt münden, etwa einen Sensor zur Lauferkennung. Für die Studienwahl heißt das: Wer sich für Grundlagenforschung zu Bewegung interessiert, ist mit Bewegungswissenschaft richtig, wer eher Geräte und Software entwickeln will, sollte gezielt nach Studiengängen mit dem Zusatz Sporttechnologie oder Sportgerätetechnik suchen.
Nächste Schritte zur Bewerbung
Wer sich für ein Bewegungswissenschaft Studium interessiert, sollte zuerst prüfen, ob die Zielhochschule einen Eignungstest, ein NC-Verfahren oder beides verlangt, und danach die jeweilige Anmeldefrist im Blick behalten. Die Hochschulen ohne Eignungstest im Sportbereich sind eine Alternative, wenn die praktische Prüfung wegfallen soll. Einen Überblick über weitere Sportstudiengänge und ihre Voraussetzungen bietet die Sportstudium-Übersicht.
Häufige Fragen
Ist Bewegungswissenschaft dasselbe wie Sportwissenschaft?
Nein. Sportwissenschaft ist der Oberbegriff und schließt neben Bewegungswissenschaft auch Sportpädagogik, Sportsoziologie und Sportmedizin ein. Bewegungswissenschaft ist entweder ein eigener Studiengang oder eine Vertiefung innerhalb der Sportwissenschaft, je nach Hochschule.
Brauche ich für ein Bewegungswissenschaft Studium einen Eignungstest?
Das hängt von der Hochschule ab. An der Universität Hamburg entfällt der Test seit 2023 vorübergehend, an der Universität Stuttgart läuft die Ausrichtung Bewegungswissenschaft über ein NC-Verfahren, während Wien, Graz und Salzburg eine praktische Aufnahmeprüfung verlangen.
Wie läuft die Zulassung in Österreich ab?
An den österreichischen Universitäten mit Sport- und Bewegungswissenschaft ist eine motorische Aufnahmeprüfung die Regel. Wien und Salzburg bieten mehrere Termine im Jahr, Graz einen Termin vor dem Wintersemester, die Fristen liegen jeweils mehrere Monate vor Semesterbeginn.
Was unterscheidet Bewegungswissenschaft von Sporttechnologie?
Bewegungswissenschaft erklärt und analysiert menschliche Bewegung, Sporttechnologie entwickelt daraus Geräte, Sensorik und Software. Die Übergänge sind in der Praxis fließend, an vielen Hochschulen arbeiten beide Bereiche in gemeinsamen Laboren zusammen.
Welche Berufe stehen nach dem Studium offen?
Typische Felder sind Forschung und Lehre an Hochschulen, Bewegungsanalyse in der Rehabilitation, Entwicklung in der Sporttechnologie sowie Prävention bei Kommunen, Betrieben oder Vereinen. Für medizinisch-therapeutische Tätigkeiten sind meist zusätzliche Qualifikationen nötig.
Kann ich mit Bewegungswissenschaft auch auf Lehramt studieren?
Das hängt von der Hochschule ab. Ein reiner Bewegungswissenschaft-Bachelor wie in Hamburg führt nicht automatisch zum Lehramt Sport, dafür sind eigene Lehramtsstudiengänge mit eigenen Zulassungsregeln nötig, die teils zusätzlich eine Sporteignungsprüfung verlangen.