Bewegungswissenschaft: Bedeutung im Sporteignungstest

KI-generiertes Symbolbild: Studierende mit Bewegungssensoren im Labor, Thema Bewegungswissenschaft
KI-generiertes Bild (Symbolbild). Studierende mit Bewegungssensoren im Sportlabor

Bewegungswissenschaft ist die Teildisziplin der Sportwissenschaft, die menschliche Bewegung mit Methoden aus Biomechanik, Motorik und Bewegungslernen untersucht. Der Begriff ist zugleich der Name eigenständiger Studiengänge, etwa in Hamburg, Wien, Graz, Salzburg und Stuttgart, die je nach Hochschule mit oder ohne Sporteignungstest zugänglich sind.

Was der Begriff bedeutet

Als Fachgebiet gliedert sich Bewegungswissenschaft grob in drei Bereiche. Die Biomechanik misst Bewegungen quantitativ: Kräfte, Winkel, Geschwindigkeiten, etwa beim Absprung im Weitsprung oder in der Zugphase beim Kraulschwimmen. Die Motorikforschung beschreibt, wie sich Bewegungsfähigkeiten wie Koordination und Gleichgewicht entwickeln und unterscheiden. Die Bewegungslernforschung untersucht, wie neue Bewegungsabläufe erworben und automatisiert werden, vom ersten Handstand bis zum eingeübten Wurf. Methodisch arbeitet das Fach empirisch: Videoanalysen, Kraftmessplatten und Bewegungssensoren liefern die Daten, aus denen sich Bewegungsmuster ableiten und mit Referenzwerten vergleichen lassen.

Von der Trainingswissenschaft, die Belastung und Leistungsentwicklung steuert, unterscheidet sich Bewegungswissenschaft durch den Blick auf die Bewegung selbst statt auf die Trainingssteuerung. In Prüfungsordnungen taucht der Begriff deshalb in zwei Rollen auf: als Fachrichtung, die Bewertungskriterien für Technik wissenschaftlich begründet, und als Name eines eigenen Studiengangs mit eigenen Zulassungsregeln. An mehreren Hochschulen ist Bewegungswissenschaft zugleich ein eigener Studiengangsname, nicht nur eine Fachrichtung innerhalb der Sportwissenschaft.

Rolle im Sporteignungstest

Ob ein Studiengang mit dem Namen Bewegungswissenschaft einen Sporteignungstest voraussetzt, hängt allein von der Hochschule ab. Stand August 2026 gilt:

Hochschule Studiengang Sporteignungstest
Universität Hamburg Bewegungswissenschaft (BA) Nein, seit 2023 abgeschafft (Mitteilung der Universität), ab WiSe 2026/27 Ersatzverfahren (unter anderem Sportabzeichen Silber, Attest, Rettungsfähigkeit)
Universität Wien Sport- und Bewegungswissenschaft (Bachelor) Ja, Basis- und Fertigkeitstest plus sportärztliche Untersuchung
Universität Graz Sport- und Bewegungswissenschaften (Bachelor/Master) Ja, motorische Ergänzungsprüfung
Universität Salzburg Sport- und Bewegungswissenschaft (Bachelor) Ja
Universität Stuttgart Bewegungswissenschaft (Ausrichtung im Sportwissenschaft-Studium) Für diese Ausrichtung nicht vorgesehen, anders als für Lehramt Sport an derselben Hochschule

Drei der genannten Hochschulen verlangen für einen Studiengang mit Bewegungswissenschaft im Namen eine Prüfung, zwei nicht. Vom Namen des Studiengangs lässt sich also nicht auf die Zulassungsvoraussetzungen schließen, entscheidend ist die Prüfungsordnung der jeweiligen Hochschule. Ein weiteres Beispiel liegt am Rand des Begriffs: Am KIT Karlsruhe führt die Hochschul-FAQ den Bachelor Bewegung und Ernährung, für den anders als für das Lehramt Sport keine Pflicht zur Eingangsprüfung genannt wird.

Auch inhaltlich reicht die Bewegungswissenschaft in den Sporteignungstest hinein. Turnen und Schwimmen gehören an fast allen Hochschulen unserer Übersicht zu den Pflichtdisziplinen, und beide werden nicht allein über Zeiten oder Weiten bewertet, sondern über die Bewegungsausführung. Die Bewegungsanalyse, ein Kernwerkzeug der Bewegungswissenschaft, liefert die Kriterien dafür: Körperspannung, Bewegungsrhythmus und Koordination lassen sich beobachten und einordnen, auch ohne Messgerät. Wer sich auf Turnen im Sporteignungstest vorbereitet, trainiert deshalb nicht nur Kraft und Beweglichkeit, sondern die saubere Ausführung einzelner Bewegungsphasen.

Verwandte Begriffe

Sportwissenschaft ist die Oberdisziplin, zu der neben Bewegungswissenschaft auch Trainingswissenschaft, Sportmedizin, Sportpsychologie und Sportpädagogik gehören. Einen bundesweiten Überblick über Studiengänge mit dem Namen Bewegungswissenschaft bietet der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz. Weitere Begriffe rund um den Sporteignungstest stehen in unserem Lexikon.

Koordination bezeichnet die Fähigkeit, Bewegungen zielgerichtet zu steuern und an wechselnde Situationen anzupassen. Sie ist ein zentraler Gegenstand der Bewegungswissenschaft und wird in Testteilen wie Turnen, Ballsportarten und Koordinationsparcours direkt geprüft.

Sportmedizin prüft die gesundheitliche Eignung, etwa über das sportärztliche Attest, das die meisten Hochschulen vor dem Sporteignungstest verlangen. Sie ergänzt die Bewegungswissenschaft, die sich auf die Bewegung selbst konzentriert, nicht auf den Gesundheitszustand.

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