
Koordinative Fähigkeiten sind die Leistungsvoraussetzungen, mit denen du Bewegungen steuerst, dosierst und an wechselnde Situationen anpasst, im Unterschied zu den energetisch bestimmten konditionellen Fähigkeiten Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer. Im Sporteignungstest entscheiden sie mit darüber, wie sauber du eine Turnübung, ein Sportspiel oder eine Gymnastikkombination ausführst, auch wenn keine Hochschule aus unserer Übersicht sie als eigenen Prüfungspunkt mit Punktzahl abfragt.
Was der Begriff bedeutet
Die Trainingslehre unterscheidet klassisch sieben koordinative Fähigkeiten. Die Gleichgewichtsfähigkeit hält den Körper in labilen Positionen oder nach einer Störung im Stand. Die Reaktionsfähigkeit setzt eine Bewegung möglichst kurz nach einem Signal in Gang, etwa dem Startschuss oder einem Zuspiel. Die Rhythmisierungsfähigkeit passt eine Bewegung an einen vorgegebenen oder selbst gewählten Takt an, wie beim Anlauf vor dem Absprung. Die Orientierungsfähigkeit bestimmt Position und Bewegung des eigenen Körpers im Raum, etwa zum Spielfeld, zum Gerät oder zu anderen Spielern. Die Differenzierungsfähigkeit dosiert Kraft, Weg und Zeit einzelner Körperteile so fein, dass ein Wurf oder ein Zuspiel genau ankommt. Die Kopplungsfähigkeit verbindet Teilbewegungen mehrerer Körperabschnitte zu einem flüssigen Gesamtablauf, etwa Anlauf und Absprung beim Weitsprung. Die Umstellungsfähigkeit passt eine geplante Bewegung während der Ausführung an eine veränderte Situation an, wenn zum Beispiel ein Gegenspieler die Laufbahn versperrt.
Diese sieben Fähigkeiten wirken nie einzeln. Jede sportliche Handlung verlangt mehrere von ihnen gleichzeitig, in wechselnder Gewichtung je nach Bewegung: Ein Zuspiel im Volleyball braucht vor allem Differenzierung und Kopplung, ein Handstand im Turnen vor allem Gleichgewicht und Orientierung. Von den konditionellen Fähigkeiten unterscheiden sie sich dadurch, dass sie vor allem über die Steuerung durch das Nervensystem bestimmt sind, informationell statt energetisch, wie es die Systematik der Bewegungskoordination beschreibt, und nicht über Muskelkraft oder Energiebereitstellung. Trainierbar sind sie trotzdem: durch Übungen mit ungewohnten Anforderungen, etwa auf instabilem Untergrund, unter Zeitdruck oder mit gleichzeitiger zweiter Aufgabe.
Rolle im Sporteignungstest
Eine eigene Disziplin „Koordination“ mit fester Punktzahl kennt keine der Hochschulen aus unserer Hochschulübersicht. Geprüft wird koordinative Leistungsfähigkeit indirekt, über die Ausführungsqualität der geforderten Disziplinen. Am deutlichsten benennt die Universität Münster das: Für Lehramt Grundschule und Sonderpädagogik gehört dort neben Ausdauer und Medizinballwurf ein eigener Koordinationsparcours zum Prüfungsprogramm. Die Universität Kassel führt Koordination als einen von vier allgemeinen Fähigkeitsbereichen neben Ausdauer, Schnellkraft und Kraft ausdrücklich in ihrer Prüfungsbeschreibung auf.
An anderen Hochschulen steckt die koordinative Anforderung in den einzelnen Disziplinen selbst. Turnen mit Elementen an Boden, Reck oder Pferd verlangt vor allem Kopplungs- und Gleichgewichtsfähigkeit, etwa an der Deutschen Sporthochschule Köln, der Ruhr-Universität Bochum, der TU Dortmund und der RPTU Kaiserslautern-Landau. Sportspiele wie Fußball, Basketball, Handball oder Volleyball, die fast alle Hochschulen aus unserer Übersicht als Wahl- oder Pflichtdisziplin führen, prüfen vor allem Orientierungs-, Reaktions- und Differenzierungsfähigkeit im Umgang mit Ball, Mitspielern und Gegnern. Die Bergische Universität Wuppertal verlangt in der Disziplin Gymnastik eine Sprungseil-Bewegungskombination, eine Übung, die Rhythmisierungs- und Kopplungsfähigkeit direkt sichtbar macht. Wer bei Turnen im Sporteignungstest an einzelnen Elementen scheitert, hakt meist nicht an der Kraft, sondern an genau diesen Steuerungsfähigkeiten.
Verwandte Begriffe
Konditionelle Fähigkeiten sind das Gegenstück zu den koordinativen: Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer und Beweglichkeit, energetisch statt informationell bestimmt und in fast jeder Prüfungsordnung mit eigenen Zeiten oder Weiten belegt. Ein Koordinationsparcours ist ein Übungsparcours, der mehrere koordinative Teilfähigkeiten in einer Bewegungsabfolge mit Hindernissen, Zeitmessung oder Zusatzaufgabe zusammenführt, wie im Prüfungsprogramm Münsters. Der Wiener Koordinationsparcours ist die bekannteste standardisierte Variante eines solchen Tests, entwickelt für die sportmotorische Diagnostik und im deutschsprachigen Raum auch außerhalb des Sportstudiums im Einsatz. Weitere Fachbegriffe rund um den Sporteignungstest sammeln wir im Lexikon.