
Schnellkraft ist die Fähigkeit des Nerv-Muskel-Systems, in möglichst kurzer Zeit einen möglichst hohen Kraftstoß zu erzeugen. In der Trainingslehre zählt sie zu den vier konditionellen Fähigkeiten neben Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Beweglichkeit und entscheidet vor allem über Sprint-, Sprung- und Wurfleistungen.
Was der Begriff bedeutet
Schnellkraft leitet sich aus der Maximalkraft ab, ist aber keine reine Kraftgröße. Entscheidend ist, wie schnell du einen Kraftstoß aufbauen kannst, nicht wie viel Gewicht du maximal bewegst. Die Trainingswissenschaft unterscheidet dabei Startkraft, den steilen Kraftanstieg zu Beginn einer Bewegung, etwa beim Absprung, und Explosivkraft, den höchsten Kraftanstieg am Ende der Bewegung, etwa beim Abwurf. Nach der Einordnung des Instituts für Angewandte Trainingswissenschaft entsteht Schnellkraft, wenn eine Bewegung hohe Beschleunigung bei vergleichsweise geringem Kraftmaximum erreicht, im Unterschied zur Maximalkraft, bei der die Höhe der Kraft zählt, nicht die Geschwindigkeit ihres Aufbaus.
Leichtathletik-Disziplinen wie Sprint, Weitsprung und Hochsprung sowie Stoß- und Wurfdisziplinen wie Kugelstoß oder Medizinballwurf hängen alle von der Schnellkraft ab, auch wenn Sporteignungstests sie unter unterschiedlichen Namen prüfen. An der Bergischen Universität Wuppertal etwa gehört der Weitsprung zum Leichtathletikteil, an der Technischen Universität Dortmund der Hochsprung, beides klassische Schnellkraftdisziplinen im Sprungbereich. Trainiert wird Schnellkraft klassisch über Sprünge, Sprints und Wurfübungen mit geringem bis mittlerem Widerstand sowie über Maximalkrafttraining als Basis, allgemeine Orientierung, kein individueller Trainingsplan und kein Ersatz für die sportärztliche Untersuchung vor dem Test.
Rolle im Sporteignungstest
Als eigener Prüfungspunkt taucht Schnellkraft selten auf, sie steckt aber in den meisten Sprint-, Sprung- und Wurfaufgaben. An der Ruhr-Universität Bochum gehört sie zum Leichtathletikblock aus Sprint, Sprung, Wurf und Ausdauerlauf; von den Einzeltests müssen Frauen 12 von 13 und Männer 13 von 14 bestehen, der Ausdauerlauf ist Pflicht. An der Johannes Gutenberg-Universität Mainz steht der Begriff direkt in der Aufgabenliste: Der Konditionsteil prüft neben Bankdrücken, Sprint und 3000-Meter-Lauf ausdrücklich die Sprungkraft.
An der Universität Koblenz und an der RPTU Kaiserslautern-Landau heißt die vergleichbare Aufgabe Sprungtest. Die RPTU ergänzt sie um einen Medizinballstoß, der die Wurfkomponente der Schnellkraft direkt abbildet, dazu kommen an beiden Standorten ein 30-Meter-Sprint und ein Turnteil am Reck. Am deutlichsten benennt die Universität Kassel den Begriff: Im Prüfungsteil „allgemeine Fähigkeiten“ stehen Ausdauer, Schnellkraft, Kraft und Koordination als eigene Bewertungskategorien nebeneinander, zusätzlich zu Schwimmen, Sportspielen und Turnen.
Verwandte Begriffe
Maximalkraft bezeichnet die höchste Kraft, die das Nerv-Muskel-System bei maximaler Willkürinnervation aufbringen kann, unabhängig von der Zeit, die dafür zur Verfügung steht. Sie ist die Grundlage der Schnellkraft, aber nicht mit ihr identisch: Hohe Maximalkraft lässt sich nicht automatisch schnell abrufen. Sprungkraft ist eine Anwendungsform der Schnellkraft für Absprungbewegungen, etwa Weitsprung, Hochsprung oder den in Mainz ausdrücklich so benannten Prüfungspunkt Sprungkraft.
Konditionelle Fähigkeiten ist der Oberbegriff für die vier Grundeigenschaften Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer und Beweglichkeit. Schnellkraft zählt dort als Mischform aus Kraft und Schnelligkeit und wird deshalb je nach Quelle mal der Kraft, mal einer eigenen fünften Kategorie zugeordnet. Weitere Fachbegriffe rund um den Sporteignungstest erklären wir in unserem Lexikon.