
Medizinballwurf im Sporteignungstest kommt in drei Formen vor: als beidarmiger Schockwurf, als Stoß oder als Druckwurf innerhalb eines Mehrkampfs. Sechs Hochschulen aus der Hochschulübersicht prüfen eine dieser Varianten. Konkrete Weiten nennen davon zwei: die Universität Duisburg-Essen mit 10,00 Metern für Männer und 7,25 Metern für Frauen (Grundschule 9,50 m / 6,50 m), sowie die Justus-Liebig-Universität Gießen mit 9,50 Metern für Männer und 6,00 Metern für Frauen. Stand August 2026.
Was geprüft wird
Drei Bewegungsformen laufen unter dem Oberbegriff Medizinballwurf. Der Schockwurf beidarmig ist ein explosiver Wurf mit beiden Händen aus der Brust oder über Kopf, wie ihn Duisburg-Essen aus der Schritt- oder Frontalstellung verlangt. Der Medizinballstoß, den Kaiserslautern-Landau (RPTU) und Frankfurt führen, ähnelt in der Stoßbewegung dem Kugelstoßen: Der Ball wird aus der Schulter nach vorne gedrückt statt geschwungen. Der Medizinball-Druckwurf, den Leipzig prüft, ist die am wenigsten explosive Variante, der Ball wird im Stehen mit Körpereinsatz nach vorne gedrückt und ist dort einer von zehn Teilen eines Mehrkampfs, nicht einzeln bewertet.
Vom Kugelstoßen als olympischer Leichtathletikdisziplin unterscheidet sich der Sporteignungstest dadurch, dass ein leichter Medizinball statt einer genormten Wettkampfkugel zum Einsatz kommt und die Wurftechnik beidarmig oder aus der Schulter erfolgt, nicht einarmig aus dem Nacken. Die vollständige Liste aller geprüften Disziplinen im Sporteignungstest zeigt, wo Medizinballwurf sonst noch vorkommt und wo stattdessen Kugelstoßen oder andere Wurfdisziplinen geprüft werden.
An der Universität Münster ist Medizinballwurf kein Teil der regulären Prüfung, sondern kommt zusätzlich nur für Lehramt Grundschule und Sonderpädagogik vor, dort neben Ausdauer und einem Koordinationsparcours.
Anforderungen im Vergleich
| Hochschule | Form / Anforderung | Quelle |
|---|---|---|
| Duisburg-Essen | Schockwurf beidarmig, 2 kg Ball, Männer 10,00 m / Frauen 7,25 m (Grundschule 9,50 m / 6,50 m) | uni-due.de |
| Gießen | Schockwurf beidarmig, Männer 9,50 m / Frauen 6,00 m, Ballgewicht auf der Prüfungsseite nicht genannt | Hochschulübersicht |
| Kaiserslautern-Landau (RPTU) | Medizinballstoß, Ballgewicht und Mindestweite liegen uns nicht vor | sowi.rptu.de |
| Frankfurt | Medizinballstoß im Block Laufen/Springen/Werfen, Ballgewicht und Mindestweite liegen uns nicht vor | sport.uni-frankfurt.de |
| Münster | Schockwurf beidarmig, nur für Lehramt Grundschule und Sonderpädagogik, Ballgewicht und Weite liegen uns nicht vor | uni-muenster.de |
| Leipzig | Medizinball-Druckwurf, einer von zehn Teilen des Mehrkampfs, keine gesonderte Weite ausgewiesen | Hochschulübersicht |
Duisburg-Essen und Gießen sind damit die einzigen der sechs Hochschulen, die eine konkrete Meterzahl veröffentlichen. Bei Kaiserslautern-Landau, Frankfurt und Münster haben wir weder Ballgewicht noch Mindestweite gefunden, auf den jeweiligen Prüfungsseiten steht nur der Name der Disziplin. Die vollständigen Anforderungen der Universität Duisburg-Essen stehen auf der Eignungsprüfungsseite der Universität Duisburg-Essen.
Technik: worauf die Prüfer achten
Beim Schockwurf beidarmig zählt die Kette aus Ausholbewegung, Rumpfspannung und Streckung: Der Ball wird mit beiden Händen hinter den Kopf oder vor die Brust geführt, aus der Schritt- oder Frontalstellung folgt eine schnelle Hüft- und Armstreckung nach vorne oben, die Füße bleiben während des Abwurfs am Boden. Ein zu früher Handeinsatz ohne Rumpfbeteiligung kostet Weite, ebenso ein Abwurfwinkel, der zu flach oder zu steil gerät. Beim Medizinballstoß, wie ihn RPTU und Frankfurt verlangen, wird der Ball aus der Schulter gestoßen statt geschwungen, die Stoßbewegung ähnelt dem Kugelstoßen mit kurzem, kraftvollem Armimpuls. Der Druckwurf in Leipzig verzichtet auf die explosive Schwungphase, hier zählt der gleichmäßige Krafteinsatz ohne Anlauf.
Prüfer achten in allen drei Formen zusätzlich auf die Ausgangsposition: Wer vor dem Abwurf einen Schritt über die Abwurflinie macht oder nach dem Abwurf die Linie übertritt, riskiert einen ungültigen Versuch.
Training: Aufbau über 8 bis 12 Wochen
In den ersten zwei bis drei Wochen stehen Grundlagen im Vordergrund: Rumpfstabilität, Schulterbeweglichkeit und leichte Wurfübungen mit reduziertem Ballgewicht, um die Bewegungskette sauber zu erlernen. Ab Woche vier folgt die Technikarbeit an der jeweiligen Wurfform, mit vollem Prüfungsgewicht und wiederholten Serien zu je 8 bis 10 Würfen. In den Wochen 8 bis 10 kommt die Schnellkraft dazu, etwa mit Medizinballwürfen gegen eine Wand oder Partnerwürfen in erhöhtem Tempo, dazu ergänzendes Krafttraining für Beinstreckung und Rumpf. In den letzten ein bis zwei Wochen vor dem Prüfungstermin sinkt die Trainingsintensität, damit Schulter- und Rumpfmuskulatur am Prüfungstag nicht ermüdet sind.
Dieser Trainingsaufbau ist eine allgemeine Orientierung, kein individueller Plan, und ersetzt nicht die sportärztliche Untersuchung, die vor der Prüfung ohnehin Pflicht ist. Einen vollständigen Wochenplan für alle Disziplinen des Sporteignungstests bietet der Trainingsplan für den Sporteignungstest (12 Wochen).
Typische Fehler am Prüfungstag
Der häufigste Fehler ist das Übertreten der Abwurflinie, entweder im Ausholschritt oder im Nachschwung nach dem Abwurf, beides macht den Versuch ungültig. Zweiter Klassiker ist eine zu kurze Aufwärmphase für Schulter und Rumpf, kalte Muskulatur bremst die Streckung und kostet direkt Weite. Wer die Reihenfolge am Prüfungstag nicht kennt, verausgabt sich häufig in einer vorherigen Kraft- oder Sprintdisziplin und hat für den Wurf keine Schnellkraft mehr übrig. Der genaue Ablauf des Prüfungstags mit Reihenfolge und Pausen steht im Beitrag zum Sporteignungstest-Ablauf.
Verwandte Begriffe
Schockwurf beidarmig: explosiver Wurf mit beiden Händen aus der Brust oder über Kopf, die in Duisburg-Essen und Gießen geprüfte Form. Medizinballstoß: Stoßbewegung aus der Schulter, ähnlich dem Kugelstoßen, an RPTU und Frankfurt geprüft. Druckwurf: Bewegungsform ohne explosive Schwungphase, in Leipzig Teil eines Mehrkampfs. Kugelstoßen: eigenständige Leichtathletikdisziplin mit genormter Wettkampfkugel, nicht Teil der hier verglichenen Sporteignungstests. Ausschlusszeit und Richtwert: allgemeine Begriffe der Prüfungsordnungen für die Grenze, ab der ein Versuch nicht mehr gewertet wird beziehungsweise als Orientierung gilt.
Häufige Fragen
Ist Medizinballwurf an jeder Hochschule Teil des Sporteignungstests?
Nein. Von den sechs Hochschulen in diesem Vergleich prüfen ihn Duisburg-Essen, Gießen, Kaiserslautern-Landau, Frankfurt und Leipzig in jeweils eigener Form, an Münster nur zusätzlich für Lehramt Grundschule und Sonderpädagogik.
Was unterscheidet Medizinballwurf von Medizinballstoß?
Beim Wurf schwingt der Ball beidarmig aus der Brust oder über Kopf, beim Stoß wird er einarmig oder aus der Schulter nach vorne gedrückt, ähnlich der Bewegung beim Kugelstoßen.
Welches Ballgewicht gilt beim Medizinballwurf?
Nur für Duisburg-Essen liegt uns ein Ballgewicht vor, 2 Kilogramm für den beidarmigen Schockwurf. Für Gießen, Kaiserslautern-Landau, Frankfurt, Münster und Leipzig nennen die Prüfungsseiten kein Ballgewicht.
Ist Medizinballwurf dasselbe wie Kugelstoßen?
Nein. Kugelstoßen ist eine eigenständige Leichtathletikdisziplin mit einer genormten Wettkampfkugel und einarmiger Stoßtechnik, im Sporteignungstest kommt stattdessen ein leichterer Medizinball mit beidarmiger oder schulterbetonter Technik zum Einsatz.
Muss ich eine bestimmte Weite schaffen, um zu bestehen?
An Duisburg-Essen gelten 10,00 Meter für Männer und 7,25 Meter für Frauen, an Gießen 9,50 Meter für Männer und 6,00 Meter für Frauen. Für die übrigen Hochschulen in diesem Vergleich haben wir keine veröffentlichte Mindestweite gefunden.
Wie trainiere ich, wenn meine Hochschule keine Norm veröffentlicht?
Auch ohne veröffentlichte Meterzahl lohnt sich das Techniktraining der jeweiligen Wurfform, da alle Prüfer auf eine saubere Bewegungskette aus Ausholbewegung, Rumpfeinsatz und Streckung achten. Der Trainingsplan für den Sporteignungstest deckt Kraft- und Wurfübungen für alle drei Formen ab.