
Ein Sportstudium mit Leistungssport lässt sich über vier Instrumente organisieren: das Netzwerk „Partnerhochschule des Spitzensports“ (119 Hochschulen, rund 1.200 Kaderathletinnen und -athleten), Profilquoten in der Zulassung, Nachteilsausgleich mit flexiblen Prüfungsterminen und, beim Sporteignungstest selbst, Befreiungsregeln, die nur einzelne Hochschulen kennen. In Gießen ersetzt A-, B- oder C-Kaderstatus die praktische Prüfung, in Vechta reicht ein Kader- oder Talentförderstatus, an der Eidgenössischen Hochschule für Sport Magglingen (EHSM) erlässt die Swiss Olympic Card den sportmotorischen Teil. An allen anderen Hochschulen in unserer Übersicht trittst du trotz Kaderstatus regulär zur Prüfung an, Stand August 2026.
Sportstudium und Leistungssport: die wichtigsten Instrumente
Der Allgemeine Deutsche Hochschulsportverband (adh) betreibt seit 1999 das Projekt Partnerhochschule des Spitzensports, einen Baustein neben anderen Themen rund ums Sportstudium. Rund 1.200 studierende Spitzensportlerinnen und Spitzensportler nutzen an 119 Hochschulen bundesweit ein System aus flexiblen Studienstrukturen, individuellen Prüfungsregelungen, angepassten Stundenplänen, verschiebbaren Prüfungen und Beratungsangeboten. Kooperationspartner sind Olympiastützpunkte, der Deutsche Olympische Sportbund und die Studierendenwerke. Welche Hochschule welche Kategorie führt, meldet die jeweilige Hochschule selbst, meist über den Hochschulsport oder ein eigenes Referat für Spitzensportförderung.
Daneben räumen einzelne Hochschulen und Bundesländer Kaderathletinnen und Kaderathleten in der eigenen Zulassungsordnung eine Profilquote oder Vorabquote ein: Bewerbungen mit nachgewiesenem Kaderstatus werden dann vor oder neben dem regulären Auswahlverfahren berücksichtigt. Wie hoch der Anteil ausfällt und welche Nachweise zählen, legt jede Hochschule einzeln fest, eine bundesweit einheitliche Übersicht dazu liegt uns nicht vor. Die Profilquote betrifft ausschließlich die Studienplatzvergabe, nicht den Sporteignungstest.
Ein drittes Instrument ist der Nachteilsausgleich, meist gekoppelt an ein Teilzeitstudium: Prüfungsfristen, Anwesenheitspflichten oder Studienumfang lassen sich an Trainings- und Wettkampfphasen anpassen. Das regelt die Prüfungsordnung der jeweiligen Hochschule, beantragt wird der Ausgleich beim Prüfungsamt, üblicherweise mit einer Kaderbescheinigung.
Sporteignungstest mit Kaderstatus: Befreiung nur an einzelnen Hochschulen
Der Kaderstatus wirkt sich auf den Sporteignungstest nur dort aus, wo die Hochschule ihn ausdrücklich als Ersatz oder Befreiungsgrund führt. In unserer Hochschulübersicht sind das drei Fälle mit belegten Regeln:
An der Justus-Liebig-Universität Gießen zählt der A-, B- oder C-Kaderstatus als Nachweis, der die praktische Eignungsprüfung ersetzt, ebenso wie gleichwertige Prüfungen anderer deutscher Hochschulen oder ein Sport-Leistungsfach im Abitur ab 11 Punkten. Das Deutsche Sportabzeichen und ein Schwimmabzeichen reichen dort ausdrücklich nicht. Wer ohne Ersatznachweis antritt, zahlt 20 Euro Bearbeitungsgebühr und prüft an einem von zwei Terminen: Hauptprüfung am 17.06.2026, Nachprüfung am 07.07.2026.
An der Universität Vechta befreit ein Kader- oder Talentförderstatus ebenso von der praktischen Prüfung wie eine Trainerlizenz, ein Sport-Leistungskurs ab 8 Punkten, ein viertes Abiturfach Sport ab 11 Punkten oder bestimmte Sportabzeichen. Der reguläre Prüfungstermin 2026 liegt am 29.09.2026, Anmeldeschluss ist der 25.09.2026.
An der Eidgenössischen Hochschule für Sport Magglingen (EHSM) prüft der Eignungstest in zwei Teilen: einen sportmotorischen Bewegungs- und Spieltest und einen Berufsfeldtest mit Textverständnis. Inhaberinnen und Inhaber der Swiss Olympic Card sind vom sportmotorischen Teil befreit, der Berufsfeldtest bleibt für alle Pflicht, eine ärztliche Dispensation ist nicht möglich. Termin 2026: 23. bis 25.06. (Reservetag 22.06.), Anmeldefrist 16.02. bis 30.04.2026, Kosten CHF 100.
An allen anderen Hochschulen unserer Übersicht, auch dort, wo eine Profilquote oder ein Nachteilsausgleich für Kaderathletinnen und -athleten existiert, ersetzt der Kaderstatus den Sporteignungstest nicht. Wer sich unsicher ist, ob die eigene Zielhochschule eine Regel führt, prüft das am besten über die Anerkennung anderer Tests, bevor er einen eigenen Termin bucht.
| Instrument | Was es regelt | Wo beantragen | Bezug zum Sporteignungstest |
|---|---|---|---|
| Partnerhochschule des Spitzensports (adh) | Flexible Studienstrukturen, verschiebbare Prüfungen, Beratung an 119 Hochschulen | Hochschulsport bzw. Referat Spitzensportförderung der Hochschule | Kein Einfluss auf den Test, wirkt nur im laufenden Studium |
| Profilquote / Vorabquote | Vorabberücksichtigung von Kaderathletinnen und -athleten im Zulassungsverfahren | Studierendensekretariat, im Rahmen der regulären Bewerbung | Ersetzt nicht den Sporteignungstest |
| Nachteilsausgleich / Teilzeitstudium | Anpassung von Fristen, Prüfungsform oder Studienumfang an Trainings- und Wettkampfphasen | Prüfungsamt, meist mit Kaderbescheinigung | Kann Fristen rund um den Test betreffen, sofern die Hochschule das vorsieht |
| Kaderbefreiung Gießen | A-, B-, C-Kaderstatus ersetzt die praktische Eignungsprüfung | Bewerbungsunterlagen Fachbereich Sport | Direkte Befreiung, Sportabzeichen zählt nicht |
| Kader-/Talentförderstatus Vechta | Kader-, Talentförderstatus oder Trainerlizenz befreit von der praktischen Prüfung | Bewerbungsunterlagen Sportwissenschaft | Direkte Befreiung |
| Swiss Olympic Card Magglingen (EHSM) | Befreit vom sportmotorischen Teil 1, Teil 2 (Berufsfeldtest) bleibt Pflicht | Anmeldung zur Eignungsabklärung | Teilbefreiung, kein Ersatz für Teil 2 |
Nachweise: Was die Hochschulen von Kaderathletinnen und -athleten verlangen
Für jede der drei Regelungen braucht es einen aktuellen Nachweis des zuständigen Verbands, in der Regel eine Kaderbescheinigung des Landesfachverbands oder Spitzenverbands. Für die Profilquote oder den Nachteilsausgleich verlangen Hochschulen zusätzlich häufig eine Bestätigung des Olympiastützpunkts oder der Trainerin beziehungsweise des Trainers. Welche Unterlagen eine bestimmte Hochschule konkret fordert und bis wann, steht in ihrer eigenen Zulassungsordnung, nicht zentral bei uns. Für die reguläre Anmeldung zum Sporteignungstest gilt unabhängig vom Kaderstatus: Fristen, Portale und Unterlagen unterscheiden sich je Hochschule. Ein sportärztliches Attest verlangen die meisten Hochschulen zusätzlich, auch wenn der praktische Test entfällt, dazu mehr auf der Seite zum Attest für den Sporteignungstest.
Trainingsalltag neben dem Sportstudium
Wer parallel zum Sportstudium im Kader trainiert, muss Trainingsumfang und Praxiskurse im Studienplan gegeneinander abwägen. Sportwissenschaftliche Studiengänge enthalten praktische Kurse in mehreren Sportarten mit eigener Anwesenheitspflicht, die sich mit Trainingslagern oder Wettkampfterminen überschneiden können. Der Nachteilsausgleich greift genau hier: Er verschiebt Prüfungstermine oder ersetzt einzelne Anwesenheitsnachweise, ändert aber nichts an den fachlichen Anforderungen der Kurse selbst. Wie das im Einzelfall aussieht, klärst du am besten frühzeitig mit dem Prüfungsamt und der Studienfachberatung, nicht erst kurz vor der Prüfungsphase.
Was diese Regelungen nicht leisten
Partnerhochschulen-Status, Profilquote und Nachteilsausgleich sind organisatorische Erleichterungen, keine Garantie für einen Studienplatz oder einen bestandenen Sporteignungstest. Sie ersetzen weder die sportärztliche Untersuchung, die an den meisten Hochschulen ohnehin Pflicht ist, noch eine individuelle Beratung durch das Prüfungsamt. Bei Verletzung, Krankheit oder unklarem Kaderstatus hilft nur der direkte Kontakt zur Hochschule.
Nächste Schritte
Wer eine Zielhochschule mit Kaderregel gefunden hat, klärt zuerst bei der Anmeldung zum Sporteignungstest, ob und wie sich der Ersatznachweis einreichen lässt, und prüft parallel, welche weiteren Tests die Hochschule anerkennt. Einen Überblick über alle Prüfungstermine der Hochschulen in unserer Übersicht gibt es gesammelt, ebenso Erfahrungsberichte auf der Seite Sportstudium Erfahrungen. Wer noch zwischen Studiengängen schwankt, findet einen Einstieg unter Sport studieren: Voraussetzungen, Studiengänge, Wege.
Häufige Fragen
Befreit jeder Kaderstatus vom Sporteignungstest?
Nein. Nur einzelne Hochschulen führen eine Kaderbefreiung ausdrücklich in ihren Zulassungsunterlagen, in unserer Übersicht sind das Gießen, Vechta und die EHSM Magglingen mit der Swiss Olympic Card. An allen anderen Hochschulen trittst du trotz Kaderstatus regulär an.
Was ist der Unterschied zwischen Profilquote und Kaderbefreiung beim Test?
Die Profilquote wirkt bei der Studienplatzvergabe, sie erleichtert die Zulassung zum Studiengang. Die Kaderbefreiung wirkt beim Sporteignungstest selbst und ersetzt die praktische Prüfung. Beide können unabhängig voneinander gelten oder auch nur eine der beiden.
Welche Nachweise brauche ich für den Nachteilsausgleich?
In der Regel eine aktuelle Kaderbescheinigung des Landes- oder Spitzenverbands, teils zusätzlich eine Bestätigung des Olympiastützpunkts. Die genaue Liste und die Frist zur Einreichung legt jede Hochschule in der eigenen Prüfungsordnung fest.
Muss ich trotz Kaderstatus zur sportärztlichen Untersuchung?
Ja. Das sportärztliche Attest verlangen die meisten Hochschulen unabhängig vom Kaderstatus, auch wenn die praktische Prüfung entfällt, etwa in Magglingen für den Berufsfeldtest. Details dazu stehen auf der Seite zum Attest für den Sporteignungstest.
Gilt die Swiss Olympic Card auch an deutschen Hochschulen?
Nein, sie befreit ausschließlich an der Eidgenössischen Hochschule für Sport Magglingen vom sportmotorischen Teil der Eignungsabklärung. Deutsche Hochschulen mit Kaderregel verlangen eigene Nachweise, etwa die A-, B- oder C-Kaderbescheinigung in Gießen.
Wo melde ich mich mit Ersatznachweis zum Sportstudium an?
Über das reguläre Bewerbungsportal der jeweiligen Hochschule, den Ersatznachweis reichst du zusätzlich zu den üblichen Bewerbungsunterlagen ein. Fristen und Formulare stehen auf der Seite zur Anmeldung zum Sporteignungstest.