
Die Rolle vorwärts ist ein Grundelement des Bodenturnens: Aus der Hocke rollt der Körper über den runden Rücken nach vorn ab und endet wieder im Stand oder in der Hocke. Sie gilt als Basistechnik, auf der komplexere Turnelemente wie Rolle rückwärts, Handstand-Abrollen oder Rad aufbauen.
Was der Begriff bedeutet
Der Ablauf gliedert sich in vier Phasen. Aus der Hocke mit Handstütz vor den Füßen wird der Kopf eingerollt, das Kinn geht zur Brust. Der Nacken, nicht der Hinterkopf, setzt zuerst auf der Matte auf. Von dort rollt die Wirbelsäule Wirbel für Wirbel über den runden Rücken ab, die Arme schieben mit, bis die Füße wieder Bodenkontakt haben. Der Schwung aus den Beinen richtet den Körper wieder auf, ohne dass die Hände zum Abstützen nötig sind.
Diese Bewegung trainiert Rumpfspannung, Kopf-Rumpf-Koordination und die Fähigkeit, eine Rotation kontrolliert abzubremsen. Sie zählt zu den ersten Elementen, die im Schulsport und in Turnvereinen vermittelt werden, bevor Sprungrollen oder Rollen mit Anlauf folgen. Als Grundelement führt sie auch der Deutsche Turner-Bund in seinem Gerätturnen-Programm.
Rolle im Sporteignungstest
Die Rolle vorwärts selbst ist kein isoliert geprüftes Einzelelement mit eigener Note, sie gehört aber zu den Grundfertigkeiten, die eine Bodenkür im Fach Turnen voraussetzt. Boden führen die Sporteignungsprüfung Ruhr-Universität Bochum (Sprung, Boden, Reck), die Sporteignungsprüfung Bergische Universität Wuppertal (Boden, Reck) und die Sporteignungsprüfung Technische Universität Dortmund (Boden, Reck, Pferd) ausdrücklich als eigene Gerätturnen-Station. Wer an einer dieser drei Prüfungsstellen antritt, sollte Rollen vorwärts und rückwärts sicher beherrschen, bevor er die dort verlangten Kürelemente übt.
An der Sporteignungsprüfung Justus-Liebig-Universität Gießen taucht ein direkt verwandtes Element als eigener Prüfungspunkt auf: das Handstand-Abrollen. Dabei geht die Bewegung aus dem Handstand in eine Rolle vorwärts über, der Turner fängt den Fall aus der Senkrechten also mit genau der Abroll-Mechanik ab, die die einfache Rolle vorwärts trainiert. Wer diese nicht beherrscht, scheitert am Handstand-Abrollen meist nicht am Handstand, sondern am Abfangen danach.
Welche Bodenturnelemente die übrigen Hochschulen aus dem Sporteignungstest konkret abfragen, führt jede Hochschulseite in unserer Hochschulübersicht einzeln auf. Einen Überblick über Pflichtelemente beim Turnen und den Umgang mit Angst vor dem Reck gibt der Ratgeber Turnen im Sporteignungstest.
Typische Fehler
Drei Fehler kommen in der Praxis am häufigsten vor. Erstens setzt der Kopf statt des Nackens zuerst auf, weil das Kinn nicht zur Brust gezogen wird. Das bremst die Rotation abrupt und belastet die Halswirbelsäule. Zweitens kommen die Hände zu spät zum Absprung in den Stand, der Schwung aus den Beinen wird dann durch Abstützen mit den Armen ausgeglichen statt genutzt. Drittens fehlt am Ende der Rolle der Schwung: Wer die Beine beim Abrollen nicht anzieht und die Arme nicht aktiv nach vorn führt, bleibt in der Hocke stecken statt aufzustehen.
Verwandte Begriffe
Die Rolle rückwärts folgt derselben Mechanik in umgekehrter Richtung, mit stützenden Händen neben dem Kopf. Der Handstand ist die statische Vorstufe zum Handstand-Abrollen. Das Rad überträgt das Prinzip der Rotation über eine seitliche Achse und wird meist erst nach sicherer Rolle vorwärts und rückwärts geübt. Weitere Begriffe rund um den Sporteignungstest sammelt das Lexikon.